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DIY

Marmorieren. Neue Muster für Papier und Snappap

Snappap marmorieren und verarbeiten

Eine Anleitung zum Marmorieren von Flächen

Mit DIY-Projekten ist es oft wie mit dem richtigen Leben: Man muss manchmal Dinge loslassen oder sich von anfänglichen Vorstellungen trennen, um zum Ziel zu kommen. Die Erkenntnis klingt wie aus dem Glückskeks, stammt aber im wörtlichsten Sinne aus meinem Farbkasten. Ich kann nämlich Psychologie und Basteln. Zur gleichen Zeit. Wisster Bescheid.

Marmorieren war das, was ich eigentlich tun wollte. Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon die schönsten marmorierten Papiere anfertigen, wie man sie aus alten Büchern kennt. Im Bastelladen bin ich zuvor schon ein paar mal an der Marmorierfarbe vorbeigelaufen, diesmal kaufte ich ein paar Fläschchen und legte zu Hause los. Was soll ich sagen – ich scheiterte grandios.
Nach einem Nachmittag mitten im Farbchaos war ich kurz davor, das Thema abzuhaken. Der Grund: Die Farbe funktionierte anders, als ich gedacht hatte. Bis ich das begriff und akzeptierte, verging eine Weile. Als ich dann begann, mit der Farbe zu arbeiten (und nicht dagegen), war auf einmal alles gut. Wir sind jetzt Farbfreunde und ich eine Glückskekserkenntnis reicher.

Umschlag und Papiere mit Marmoreffekt

Was man über fertige Marmorierfarbe wissen sollte

Marmorierfarbe aus dem Bastelladen schwimmt von alleine auf dem Wasser. Das ist praktisch, denn man spart sich das umständliche Hantieren mit Marmoriergrund oder Tapetenkleister. Allerdings bildet sie auf dem Wasser einen Film (quasi eine Haut), in den man die zu marmorierenden Objekte eintauchen kann. Bei trockner Winterluft passiert es rasend schnell, dass diese Farbhaut so fest wird, dass man keine Marmoreffekte mehr hinbekommt.

Meine ersten Versuche sahen so aus, dass ich in meiner Wasserschale gemütlich hier einen Tropfen Farbe und dort einen Tropfen Farbe verteilte. Als ich die Tropfen dann ineinander fließen lassen und Schnörkel ziehen wollte, fischte ich immer direkt die ganze Farbe als Klumpen aus der Wanne. So als würde man Haut auf der heißen Milch marmorieren wollen. Nicht schön.

Was hilft? Höhere Luftfeuchtigkeit, Schnelligkeit oder ein kleiner Trick.:
Man schafft sich bei größeren Flächen einfach kleinere Binnenflächen, die man eine nach der anderen bearbeiten kann. Dazu gleich mehr.

Übrigens ist in diesen Marmorierfarben auch ein Lösungsmittel enthalten (sonst würden sie nicht auf dem Wasser schwimmen). Wenn man einen ganzen Nachmittag damit experimentiert, wird das geruchstechnisch ein bisschen anstrengend. Also am besten die Räume gut lüften.

Und benutzt Einweghandschuhe. Das habe ich erst ab dem zweiten Durchgang gemacht und es hat gedauert, bis die Finger nicht mehr gelb waren …

Marmorieren – so geht’s

Nachdem wir jetzt wissen, was alles schiefgehen kann, stellt sich die Frage, wie man es besser macht. Glückskeksweisheit Nr 2: Auch hier macht Übung den Meister – oder bringt jedenfalls deutliche Verbesserungen mit sich. Das brauchst du zum Starten:

Material

  • einen Behälter, der groß genug für die Objekte ist, die marmoriert werden sollen (der Behälter bekommt wahrscheinlich Farbe ab, also nicht unbedingt die guten Schüsseln aus der Küche nehmen)
  • Zahnstocher
  • Marmorierfarbe (ich habe z.B. mit easy marble gearbeitet)
  • Einweghandschuhe(!)
  • alte Zeitungen zum Unterlegen
  • Papier oder anderes Material, das du marmorieren möchtest

Vorbereitung

Fülle dein Gefäß mit Wasser. Ich habe eine billige Schale aus dem Baumarkt genommen, in der man normalerweise Wandfarbe ausrollt. Für meine Zwecke hatte sie genau die richtige Größe. Hatte ich erwähnt, dass sie billig war? Und dass es völlig egal ist, wenn sie Farbflecken abbekommt?

Schneide dein Papier oder Material auf die Größe zu, die gut ins Gefäß passt.

Stell deine Farbauswahl zusammen. Am besten beschränkst du dich auf 2-3 Farben, sonst wird es zu bunt. Tolle Effekte kann man mit Farben aus einer ähnlichen Farbfamilie erzielen oder mit starken Kontrasten.

Vor Gebrauch die Farbfläschchen gut schütteln, damit sich die Pigmente mit dem Lösungsmittel verbinden.

Ab jetzt: Handschuhe anziehen.

Marmorierung erstellen

Gib ein paar Tropfen deiner Grundfarbe ins Wasser. Sofort danach tropfst du die zweite Farbe in zufälligen Abständen hinein. Ist die Luft nicht zu trocken, hast du einen Augenblick Zeit, um einen Zahnstocher zu nehmen, und ihn kreuz und quer durchs Wasser zu ziehen. So erzeugst du Farbwirbel und interessante Muster.

Bildet sich zu schnell eine Haut, kannst du einen kleinen Trick anwenden: Gib einen neuen Tropfen Farbe auf die Grundfarbe und warte kurz, bis er sich ausgebreitet hat. Dann tropfst du die zweite Farbe in den ersten Tropfen hinein. Die Farben in solchen kleinen Flächen lassen sich deutlich länger bearbeiten. Nimm den Zahnstocher und marmoriere innerhalb der Tropfen. Du kannst auch weitere Farbtropfen abwechselnd in einen der Kreise geben. Oder neue Kreise beginnen. Experimentiere ein bisschen, bis du mit dem Ergebnis zufrieden bist.

Marmorierung auf Papier oder andere Oberflächen übertragen

Wie bekommst du nun dein Marmordesign vom Wasser aufs Papier? Ganz einfach. Du legst dein Blatt einfach auf die Wasseroberfläche und streichst kurz mit der Hand darüber. Dann greifst du eine Ecke des Papiers und hebst es ab. Wenn dein Papier deutlich kleiner ist als die marmorierte Wasseroberfläche, musst du ein bisschen aufpassen, dass sich die Farbhaut beim Rausnehmen nicht doppelt aufs Papier legt.

Ich würde das Papier hier z.B. vom rechten Rand her aus der Wanne nehmen. So kann ich die überschüssige Farbhaut beim Herausnehmen besser abstreifen.

Das nasse, marmorierte Papier auf eine alte Zeitung legen und trocknen lassen.

Genauso wie Papier lässt sich auch Snappap marmorieren. Das geht sogar noch leichter, da man das Material tiefer ins Wasser tauchen kann und sich der Farbfilm dann komplett um Vorder- und Rückseite legt.

Waschbares Papier marmorieren

Ist man mit einem Marmoriervorgang fertig, zieht man einfach ein Stück Karton oder festes Papier durchs Wasser und fängt damit die Reste des Farbfilms ein. Anschließend kann man direkt weitermachen, ohne das Wasser wechseln zu müssen.

Wenn man einmal ein Gefühl für die Farbe bekommen hat, macht das Marmorieren ein bisschen süchtig. Keine zwei Muster sind identisch, es entstehen ganz fantastische Gebilde und es macht einfach richtig viel Spaß.

Zwei Bastelideen für marmoriertes Papier und Snappap

Sobald man seinen Marmorierrhythmus gefunden hat, fragt man sich natürlich, was man mit den fertigen Papieren tun soll. Im Kopf schwirren mir schon viele spannende Einsatzmöglichkeiten herum, zwei DIY-Ideen habe ich direkt umgesetzt.

Grußkarte mit Cutout und passendem Umschlag

Grußkarte mit cutout und marmoriertem Umschlag

Schnell und einfach gemacht. Auf eine Blanko-Grußkarte ein Motiv zeichnen und mit dem Bastelskalpell ausschneiden. Marmoriertes Papier von innen dahinter kleben. Fertig. Den passenden Umschlag gestaltet man gleich mit, indem man ihn mit dem restlichen Marmorpapier füttert.

Marmorierter Utensilo aus Snappap

Snappap zu marmorieren, war eine Spontanidee, weil die angefangene Rolle unmittelbar neben der Marmorierschale stand. Da das Material robuster ist als Papier und auch Wasser aushalten kann, erschließen sich plötzlich noch viel mehr Einsatzmöglichkeiten.

Ein Untensilo ist ruckzuck genäht (Wer eine Anleitung möchte, sucht einfach auf Pinterest nach „Utensilo nähen“). Man kann ihn für alles mögliche nutzen – zum Beispiel als Übertopf. Auf diese Weise lässt sich ein schlichter Topf mit Frühblühern zum netten Mitbringsel aufwerten.

marmoriertes Snappap zu Untensilo vernäht

Mich wird das Marmorieren so schnell nicht loslassen. Und bestimmt laufen euch hier auf dem Blog noch das eine oder andere Mal frisch marmorierte Oberflächen über den Weg.

 

Habt ihr schon Marmoriererfahrung gesammelt (vielleicht mit ganz anderen Methoden)?

Liebe Grüße

Anne

 

Collage aus marmoriertem Snappap

 

 

 

 

 

 

 

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5 Comments

  • Reply Katja

    Da hat sich die Mühe gelohnt. Mein Kompliment!

    27. Februar 2018 at 16:47
    • Reply Anne

      Vielen Dank, liebe Katja! Ein bisschen Spaß war ja auch dabei 😀

      27. Februar 2018 at 19:19
  • Reply Paperbead Patty

    Das hast Du gut erklärt und gleich mal eine Frustbremse eingebaut, indem du gleich mal erklärt hast, dass man a) schnell sein muss und b) sich von vorne herein entscheidet welches Gefäß man nimmt. Besser geht nicht. Ich nehme diese Technik auch für meine Papierperlen und das sieht wirklich auch MEGA aus;) lg Grüße Patty

    5. März 2018 at 15:08
    • Reply Anne

      Hallo Patty,
      vielen Dank für dein liebes Feedback. Papierperlen habe ich schon länger nicht mehr gemacht. Und noch nie aus marmoriertem Papier. Aber das ist eine geniale Idee!
      Liebe Grüße
      Anne

      9. März 2018 at 10:56
  • Reply Jolie

    Hallo, danke für die guten Tipps. Marmorieren macht ganz klar süchtig, wenn man mal angefangen hat.
    Meine neueste Entdeckung sind marmorierte Leuchterkerzen. Weiß als Grund für alle Farbkombis, oder auch bunte, Ton-in-Ton aufgehübscht. Unschlagbar wenn man ein kleines DIY Geschenk sucht!
    Und man kann sie wirklich abbrennen, ohne dass die Farbe rußt oder stinkt. Jedenfalls mit Kreuel Farben geht das sehr gut.

    20. Juli 2018 at 23:45
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