Warum Worte etwas für deine Gesundheit tun können

Auf der Liste der Neujahrsvorsätze dürfte „sich gesünder ernähren“ ziemlich weit oben stehen. Ich habe keine Zahlen, schätze aber, dass es lediglich „mehr Sport machen“ noch höher hinauf geschafft hat.

Beides sehr löbliche Vorhaben. Zum Thema Sport kann ich nur Seltsames beitragen, deswegen beschränke ich mich auf Ernährung und Gesundheit. Und zwar auf einen Punkt, der immer vergessen wird:

„Es kommt bei gesunder Ernährung nicht nur auf das an, was du dir in den Mund steckst, sondern auch auf das, was aus deinem Mund kommt.“

Ich fürchte, das hat als Kalenderspruch wenig Chancen. Und nein, es geht auch nicht um Magen-Darm-Grippe.

Was also meine ich mit diesem seltsamen Satz?

Was wäre, wenn das, was du sagst und die Worte, die du hörst einen genauso großen Einfluss auf deine Gesundheit hätten, wie das, was du isst?

Suppenschale mit Buchstaben und Saetzen

Verrückt.
Oder nicht?

Ich habe noch keine Studie zu dem Thema gesehen, aber ich lehne mich trotzdem aus dem Fenster und behaupte, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Worten und Gesundheit.
Das, was du hörst und das, was du sagst, hat vielleicht keinen direkten Einfluss auf deinen Blutzucker oder deinen Vitaminhaushalt, aber dafür auf deine Psyche und deine Seele. Und das wiederum weiß man mittlerweile: Körper, Seele und Geist hängen ziemlich viel miteinander rum und beeinflussen sich gegenseitig.
Wenn Worte dir auf psychischer Ebene nicht guttun, dann sind sie auch nicht besonders förderlich für deine Gesundheit insgesamt.

Funktioniert übrigens in beide Richtungen. Es betrifft das, was du hörst genauso wie das, was du selbst sagst.

Belanglos, gefährlich oder gesund?

Lebensmittel teilt man gern in Kategorien ein. Es gibt die guten: Obst, Gemüse & Co. Es gibt die bösen: Zucker (und je nach Fraktion mal Kohlenhydrate, Fleisch oder alle tierischen Produkte). Die Rubrik belanglos ist unterbesetzt: Ich nehme als Platzhalter einfach mal Früchtetee (der ist heiß, trägt ernährungstechnisch nicht viel bei, schadet aber auch nicht).

Diese Kategorien (also mindestens diese drei) finde ich auch bei den Worten wieder.

  • Es gibt die belanglosen Worte. Manche sind so leer wie ein Strom heißer Luft, der dir im besten Fall die Haare trocknet.
    Sie können wie Schmieröl sein und dafür sorgen, dass menschliches Miteinander reibunsloser Verläuft. Ich bin wahrlich kein Freund des Small-Talks, aber freundliche Plauderei schafft oft eine Grundlage, auf der sich viel besser miteinander umgehen lässt. Und dann kann ich mich damit auch gut anfreunden.
  • Worte können gefährlich sein, wenn sie zur Waffe werden. Manchmal sind sie nur Sportdegen, dazu da, verbal die Klinge zu kreuzen, um herauszufinden, wer den größeren … Wortschatz hat.
    Aber manche Worte sind darauf aus zu vernichten. Sie töten vielleicht nicht, aber sie können tiefe Wunden schlagen und Narben auf deiner Seele hinterlassen, die dich dein ganzes Leben begleiten.
  • Worte können aber auch heilen. Sie können Brücken bauen, ermutigen, Menschen beflügeln, sie zum Aufblühen bringen und Gutes bewirken.
    Das sind die gesunden Worte, meine Lieblingsworte.

„Freundliche Worte sind wie Honig – süß für die Seele und gesund für den Körper.“

Der Satz stammt aus der Weisheitsliteratur der Bibel (aus den Sprüchen) und hat schon ein paar Tausend Jahre auf dem Buckel. Das Verrückte: Er stimmt noch immer.

gute worte

Was würde passieren, wenn wir Worte so ernst nähmen wie unsere Ernährung?

Manchmal stelle ich mir vor, wie das wohl aussähe, wenn es eine (Ernährungs-)Revolution der guten Worte gäbe.
Sie stünden auf der Liste der Neujahrsvorsätze ganz weit oben.
Jedes Jahr würden hunderte „Kochbücher“ erscheinen mit Wortideen für All- und Feiertage, schnelle Wortsalate und ausgefeilte 8-Gänge-Menüs mit exquisiten Gedankenzutaten.
Gute Worte wären ein riesen Thema in Magazinen, Zeitungen, Blogs und Fernsehshows.
Menschen würden sich gegenseitig Mut machen – und das ernst meinen. Sie würden Komplimente verteilen, sich bedanken und einander wertschätzen.
Wahrscheinlich würden sich die Menschen auch viel häufiger anlächeln. Nicht auszudenken.

Utopie?
Ein bisschen. Aber vielleicht nicht komplett.

Den Wortkochbüchern räume ich keine großen Chancen ein.
Doch wenn jeder von uns jeden Tag eine Chance nutzt, um mit freundlichen Worten um sich zu werfen, könnte das eine ganze Menge verändern.
Aber Vorsicht: Das macht süchtig. Wenn man erlebt, wie andere Menschen aufleuchten, weil man ihnen ein ehrlich gemeintes Kompliment macht oder sie wertschätzt, bekommt man plötzlich wieder etwas zurück.

Und wenn jeder jeden Tag wenigstens ein Mal freundliche Worte verteilt, stehen die Chancen gut, dass man auch selbst welche davon abbekommt.

Und wie soll das praktisch gehen?

Ganz einfach anfangen. Am besten noch heute.
Es gibt eigentlich nur zwei Regeln: Du musst es ehrlich meinen. Und nimm den anderen wahr. Also nicht zwei Standardkomplimente auswendig lernen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit anbringen (das lässt sich übrigens auch hervorragend aufs Daten übertragen).

Für Einsteiger:

Danke sagen. Man ahnt ja nicht, wie freudig überrascht manche gucken, nur weil man sich mal kurz bedankt hat. Für eine Auskunft, für das Wechselgeld, beim Paketmann, für die Zeit, die sich der andere genommen hat …
Ich hab mich letzte Woche mal bei meiner Zahnärztin bedankt, weil sie einen echt guten Job gemacht hat. Sie war ein bisschen überrascht, aber dann hat sie sich gefreut. Und dann hab ich mich noch mal gefreut.

Wertschätzen. Im Schwäbischen gibt es eine Redensart die sinngemäß so lautet: „Nicht geschimpft ist genug gelobt.“ Äh, nein. Das ist mal definitiv an der falschen Stelle gespart.
Wenn jemand etwas gut hinbekommen hat, kann man das ruhig zur Kenntnis nehmen und aussprechen. Dabei bricht man sich keinen Zacken aus der Krone. Im Gegenteil.

Komplimente machen.
Vielleicht nicht unbedingt „Du hast so schöne Augen“, das könnte missverständlich sein. Aber ein „Das steht dir gut“, „Schöne Schuhe“, „Geniale Wortwahl“, „Das hat mich zu Tränen gerührt“,  „Großartige Reaktion“, „Du machst den besten Kaffee der Welt“ …

Und jetzt du.
Vielleicht ist das ja auch deine Mission: Die Welt durch freundliche Worte zu revolutionieren. Über die Sache mit dem Kochbuch reden wir dann noch mal.

  • Anne

P.S. Wer eine kreative und handfeste Erinnerung für die guten Worte braucht, kann sie sich einprägen, indem er sie stickt. Die Stickvorlage gibt es hier.

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