Wie dir Schreiben beim Aufräumen im Kopf hilft

Marie Kondo hat uns fest im Griff. Die Welt (in meiner kleinen Blase) sortiert und mistet aus, faltet ihre Socken und Shirts in kleine Päckchen und schmeißt alle Dinge raus, bei denen sie keine Glücksgefühle verspürt.
Ballast loswerden kann sehr befreiend sein. Ich kann das gut nachvollziehen und manchmal überkommt mich selbst der Drang zum Ausmisten.

Nur nicht bei meiner Sockenschublade. Ich muss gestehen, dass mich das Chaos dort völlig kalt lässt. Das kann ich ignorieren, so lange ich nicht nur noch Einzelsocken habe. Schublade zu, Chaos weg.

Etwas, das mir viel mehr zu schaffen macht, ist das Chaos in meinem Kopf.
Kennst du dieses Durcheinander an Gedanken und Ideen, Fragen, Zweifeln, zwischendrin die Einkaufsliste und dieser eine geniale Einfall, der vielleicht gleich wieder weg ist, aber wo war noch mal der Anfang?

Ich bin introvertiert. In meinem Kopf ist immer ziemlich viel los. Gäbe es einen Wettbewerb im „Sich-Gedanken-machen“, ich wäre ganz vorn mit dabei.
Das finde ich übrigens gar nicht schlimm. Ich mag mein unterhaltsames Hirn. Aber manchmal ist es auch ein bisschen anstrengend. Dann nämlich, wenn die Gedankflut zum Antreiber wird und mich nicht zur Ruhe kommen lässt.

Was man von Marie Kondo übers Gedankensortieren lernen kann

Was hilft gegen Gedankenwirrwarr und Ideenstress? Schreiben.
Aufschreiben ist eine denkbar einfache Strategie, die überraschende Ergebnisse zu Tage fördern kann. Lustigerweise kann man sich ein paar Dinge vom Ausmisten des Kleiderschranks abgucken.

Aufschreiben ist quasi die KonMari-Methode für Introvertierte und alle, in deren Kopf gerade zu viel los ist.

Und wie geht das jetzt praktisch?

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Erst mal alles auf einen Haufen schmeißen. Was beim Entrümpeln klappt, funktioniert auch im Kopf.
Nimm dir ein Notizbuch, ein Tagebuch oder einfach ein Blatt Papier und einen Stift. Sorg dafür, dass dich nichts ablenkt. Kein Handy, kein Fernseher, keine Musik. Nur du, dein Schreibzeug und deine Gedanken.
Und jetzt schreibst du alles auf, was dir durchs Hirn geistert. Das muss weder hübsch ausformuliert sein, noch irgendeine Form haben. Und inhaltliche Zusammenhänge brauchen wir auch nicht.
Es kann völlig wirr durcheinander gehen. Du kannst Sorgen hinter Besorgungen schreiben und Ideen neben Gesprächsfetzen und Erlebnisse.
Schreib alles runter, bis du das Gefühl hast, deinen Kopf leer geschrieben zu haben. Vielleicht dauert es nur fünf Minuten, vielleicht eine Viertelstunde.

Du hast jetzt alles, was dich beschäftigt einfach symbolisch auf dem Bett ausgekippt. Und jetzt kannst du es sortieren.

Schritt 2: Sortieren und ausmisten

Alles aufgeschrieben zu haben, ist schon an sich ein Gewinn. Es heißt ja eigentlich „sich etwas von der Seele reden“, aber man kann sich auch etwas von der Seele schreiben. Einfach dadurch, dass du Gedanken zu Papier gebracht hast, hat sich im Empfinden häufig schon etwas geändert. Du wirst ruhiger und die Dinge werden klarer.

Wenn du magst, kannst du jetzt noch einen Schritt weiter gehen und deine Gedanken sortieren.

Wahrscheinlich befinden sich in deinem Gedankenstrom eine Menge Dinge, die sich mit alltäglichen Kleinigkeiten und spontanen Eindrücken beschäfigen. Das kann z.B. so etwas sein: „es hat gerade angefangen zu schneien. sieht schön aus. hoffentlich schneit es nicht so viel, dass ich wieder schneeschieben muss …“

Dieser Teil ist unterhaltsam und nett, braucht aber keine größere Aufmerksamkeit.

Wenn in meinem Kopf viel los, ist auch einiges aus der Kategorie „Ideen und Aufgaben“ dabei. Diese Dinge kannst du herausfischen und sie direkt auf deine To-do-Liste oder in deinen Planer schreiben. Das Gleiche gilt für Ideen und gute Gedanken: Schaffe einen Ort, an dem du solche Einfälle aufbewahrst. Das kann physisch passieren in einem Notizbuch oder einem Skizzenbuch oder digital in einer App oder einem Dokument. Hauptsache du findest deine genialen Einfälle später wieder.

Und schon sind die wichtigen Dinge sortiert und hübsch gefaltet. Du kannst jetzt beruhigt sein, dass du keine Aufgaben oder Ideen vergessen wirst.

Bleibt noch mindestens eine Kategorie übrig: Sorgen, miese Stimmung, vielleicht machst du dich in Gedanken auch öfter selbst runter. Das gehört eigentlich alles auf den Stapel zum Ausmisten. Ich schreibe eigentlich, weil das deutlich schwerer ist, als das Gerümpel im Keller loszuwerden. Den wichtigsten Schritt hast du aber schon gemacht: Du bist auf das aufmerksam geworden, was dir da durchs Hirn geistert. Wenn dich die gleichen Gedanken immer wieder beschäftigen, bist du jetzt vorbereitet. Du erkennst sie schneller. Hast du dich schon mit beschäftig, hast du aufgeschrieben, damit musst du nicht mehr befassen. Nimm diese Gedanken zur Kenntnis und lass sie einfach weiterziehen. Ab in den Karton und Tschüss. Die brauchst du nicht.

Falls du dich häufiger dabei ertappst, dass du in Gedanken zu dir und über dich negative Dinge sagst (wie „Ich kann das sowieso nicht“, „Das war ja mal wieder typisch“ …), ist das Ausmisten viel, viel wichtiger als es beim Kleiderschrank je sein könnte. Mach dir eine Liste mit guten Sätzen, z.B. Dingen, die du an dir schätzt. Und immer wenn du dich bei der Selbstanschuldigungsnummer ertappst, setzt du ein Aber dahinter: … aber ich bin geliebt. … aber ich habe schon eine Menge schwieriger Dinge gewuppt. …

In Gedanken aufzuräumen ist zwar ein bisschen komplizierter als den Kleiderschrank auf Vordermann zu bringen, allerdings möchte ich behaupten, dass du länger was davon hast.

Wie ist das bei dir: Bist du ein strukturierter Denker oder ist deinem Kopf auch oft viel los?

4 Kommentare

  1. Kann das total gut nachvollziehen. Bin auch eine introvertiertere Viel-Denkerin und finde es häufig schwierig zur Ruhe zu kommen, weil bei mir im Kopf alles durcheinander wirbelt.
    Im Moment ist bei mir total viel los und ich kann oft nicht schlafen, weil ich nicht aufhören kann, zu denken. Ich glaube, bevor ich jetzt weiterarbeite, mache ich erst mal einen ‚Gedanken-Stapel‘! Danke für den Tipp!

    • Das kenne ich auch, dass die vielen Aufgaben und Gedanken nachts Karussell fahren und einen vom Schlafen abhalten wollten. Schreiben hilft dann tatsächlich. Es ist nur nicht immer so leicht, sich abends bewusst Zeit dafür einzuplanen (besonders wenn so viel los ist). Vielleicht hilft dir das ja auch ein bisschen. Würde mich freuen.

  2. Das finde ich richtig gut!! Ich miste sehr gern aus und muss das auch öfter, weil wir mit 8 Personen in einer 4-Zimmer-Wohnung leben… 😉
    Auf’s Gedanken-Ausmisten bin ich so aber noch nicht gekommen. Ich hab die letzte Zeit nur gemerkt, dass ich gerne mehr aufschreiben würde, weil ich das Gefühl habe, dass Gedanken in Schriftform bringen nochmal ein ganz anderer Prozess ist als Reden… (Das fällt mir leichter. ;-))
    Jetzt hab ich eine praktische Anleitung dazu, danke dir!!

    • Ich kann mir gut vorstellen, dass man in einem 8-Personen-Haushalt quasi Sortier- und Ausmistmeister wird 🙂
      Reden hilft auch schon beim Gedankensortieren, aber ich habe auch festgestellt, dass Schreiben noch intensiver ist. Es geht zwar langsamer, aber man gewinnt mehr Klarheit. Vor allem sieht man Schwarz auf Weiß, was einen gerade alles beschäftigt. Das ist auch spannend, wenn man Tage, Wochen oder Jahre später zurückschaut und merkt, wie man sich verändert hat und wächst.
      Liebe Grüße

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