Los, raus hier!

Vom Stress im Kopf und völlig unspektakulären Hausmitteln

Bist du manchmal gestresst?
Kleiner Scherz. Natürlich bist du das. Und ich auch. Mal mehr, mal weniger.

Es gibt Phasen, in denen viel los ist, übervolle To-do-Listen mahnend vor einem liegen und ständig irgendwelche Termine stattfinden. Es geht rund im Leben. Das muss sich allerdings nicht unbedingt wie Stress anfühlen, sondern kann einfach einen Schub Energie lostreten. Am Ende ist man ein bisschen beeindruck, was man so alles geschafft bekommt.

Stress hängt also nicht unbedingt von der Menge der Aufgaben ab, die gerade zu erledigen sind. Meiner bescheidenen Erfahrung nach passiert Stress im Kopf. Es gibt dann zu viele Dinge, die meine Aufmerksamkeit wollen und mir Energie abziehen, ohne mich wieder auftanken zu lassen.

Ich habe vor einiger Zeit einen lustigen Spruch gelesen, den ich mir nicht genau behalten habe, der inhaltlich aber ungefähr so ging:

In meinem Kopf sieht es gerade aus wie in meinem Internetbrowser: Es sind 25 verschiedene Tabs offen, 5 davon sind eingefroren und ich habe keine Ahnung, woher die Musik kommt.

Kennst du das Gefühl?
Höre ich da ein „Ja“? Ich kenne das jedenfalls nur zu gut.

Ich bin von Natur aus introvertiert, in meinem Kopf ist immer viel los. Das hat einen gewissen Unterhaltungswert, aber es gibt Phasen, da macht das wirklich Stress.
Dann bearbeite ich in 3 Tabs ungelöste Probleme, ärgere mich in 4 und 5 über irgendwas, das ich nicht ändern kann, die Tabs 6-10 beschäftigen sich mit Informationen, die ich tagsüber aufgeschnappt habe, währen auf 11 die To-do-Liste eingefroren ist. Auf 12 poppen ständig neue Ideen auf und generieren automatisch neue Tabs, während auf 13 und 14 die Reparaturen blinken, die ich schon ewig angehen wollte und wo ist jetzt nochmal die Nummer von der Werktatt und außerdem brauche ich einen Zahnarzttermin. Davon bleibt Tab 15 völlig unbeeidruckt. Dort wird intensiv über gesellschaftliche Entwicklungen der letzten 500 Jahre nachgedacht unter berücksichtung globaler Zusammenhänge. Und dann regnet es auch noch.
Dazu eine Handvoll Dinge, die wirklich wichtig oder eilig sind, und dann sitzt du da mit deinem Stress. Am nächsten Tag mache ich übrigens genau an dieser Stelle weiter mit dem kompletten Informations-Overkill. Jep, kann ich.

Was tun?
Du kannst die Nummer voll auskosten. Ich bin dann zum Beispiel leicht angenervt, schnell sarkastisch, esse ungesundes Zeug und schlafe schlecht. Alles übrigens Faktoren, die mich noch tiefer in die Stressspirale rutschen lassen. Auf Dauer auch eher unschön.

Oder.
Du lernst dich selber kennen und findest heraus, wie du runterfahren kannst (das Computerbild passt aber auch wirklich gut).

Selbsterkenntnis und Energievorrat

Je älter ich werde (ich hab die Mitte 30 schon länger hinter mir, ich darf das sagen), desto deutlicher wird mir bewusst, dass es mein Job ist, mich um meine Kraft und mein Energielevel zu kümmern. Diese Verantwortung kann ich an niemand anderen deligieren. Ich muss herausfinden, was mich viel Energie kostet und wo ich im Gegenzug wieder Kraft und Energie tanken kann. Um dieses Selbststudium kommt man nicht herum.
Du musst aber nicht bei Null anfangen. Es ist durchaus erlaubt, sich von den Ideen und Erfahrungen anderer inspirieren zu lassen. Einfach selbst mal testen. Was funktioniert, behälst du, alles andere streichst du wieder von deiner Anti-Stress-Liste.

Ich mach das genauso. Ich probiere, ich verwerfe, ich fange wieder von vorne an. Aber mittlerweile sind einige Strategien hängengeblieben, von denen ich weiß, dass sie mir weiterhelfen. Was übrigens nicht heißt, dass ich die dann immer sofort umsetze. Aber das ist ein anderes Thema.

Eines dieser Hausmittelchen ist dieses Motto:

Los, raus hier!

Das ist nicht nur einer der häufigsten Sätze in Action-Filmen, der Satz steht für mich auch für eine völlig unspektakuläre Art des Runterfahrens: Raus aus dem Gedanken-Aufgaben-Problem-Wirrwarr durch Rausgehen. Spazieren. Am besten im Wald.

Wald im Herbst

Wie lahm. Aber auch: wie hilfreich! Egal, ob das der „Ich geh mal noch 20 Minuten um den Block“-Spaziergang am Abend ist oder der „Drei Stunden querfeldein“-Marsch am Wochenende. Beides sehr zuverlässige Methoden für mich, um runterzukommen.

„Ja gut“, sagst du jetzt vielleicht, „das funktioniert aber nur, weil du gern spazierengehst“.
Eigentlich nicht. Ich war nie der begeisterte Spaziergänger, erst seit 3-4 Jahren packe ich das ziemlich regelmäßig in meinen Alltag. Hundebesitzer sind da vielleicht schön früher draufgekommen.

Es gibt übrigens ein paar Fakten, die meine gewagte Anti-Stress-Methode durch Spazierengehen unterstützen.

  • Du wechselst den Fokus. Sobald du vor die Tür trittst und zu Fuß unterwegs bist, musst du dich mit anderen Dingen beschäftigen: Wo gehst du lang, was siehst du am Weg, wie ist das Wetter? Das schließt den Browser mit all seinen offenen Tabs.
  • Du hast plötzlich Rhythmus im Blut. Echt jetzt. Der gleichmäßige Laufrhythmus beruhigt (auf gleichmäßige Schaukelbewegungen wurden wir schon von kleinauf konditioniert). Und irgendwie sorgt das auch dafür, dass die Gedankenteile von selbst an ihren Platz fallen und sich sortieren. Ich habe schon oft beim Spazierengehen die besten Ideen und Lösungen gefunden.
  • Dein Körper findet die Bewegung toll, deine Muskeln machen, wozu sie da sind und hinterher fährt dein Blutdruck runter. Schöne Sache. Und wusstest du, dass Sauerstoff antibakteriell und antiviral wirkt? Hilft also auch in Erkältungszeiten.

In den Wald gehen ist sogar eine neue Trendsportart. Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich das zum ersten Mal gelesen habe, aber Waldbaden ist ein echtes Ding. Und wie beruhigend, wenn die langweiligen Sachen von früher plötzlich hip werden.

Straße im Herbst

Vor uns liegen die „schönsten Wochen“ des Jahres. Aka die stressigsten, weil wirklich viel los ist und man sich ja gerne freiwillig noch einen Teil dazupackt.
Wenn du also irgendwann in den nächsten Tagen und Wochen das Gefühl hast, dir fliegt gleich alles um die Ohren und in deinem Kopf sind einfach zu viele Tabs offen, mach es wie die Action-Helden: Los, raus hier. Geh spazieren, geh in den Wald, Wetter spielt keine Rolle. Du kannst auch den Klangschalen-Eso-Duktus des Waldbadens getrost ignorieren. Funktioniert trotzdem.

Warum ein Spaziergang im Wald gegen Stress hilft

Und danach machst du dich auf die Suche und findest heraus, wo du im Leben eigentlich deine Kraft und Energie herbekommst.

 

 

 

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