Tagebuch schreiben. Das Wie, Was und Warum.

Überzeugende Gründe, um ein Tagebuch zu beginnen und wie du herausfindest, welche Art zu dir passt.

Ich kann mich noch gut an den ersten Eintrag in mein allererstes Tagebuch erinnern. Ich hatte lange gezögert, denn in ein Tagebuch – so meine damalige Überzeugung – schreibt man ja nur historische oder wenigstens einschneidende Erlebnisse. Das war für mich mit 10 Jahren anscheinend der Beginn des Golfkriegs (ja, so alt bin ich schon). Mit diesem ersten Eintrag beganne eine On-Off-Beziehung zum Tagebuchschreiben, die mich bis heute begleitet und die ich mit den Jahren immer mehr schätzen gelernt habe. Der heutige Status ist übrigens definitiv on.

„Aber warum?“, fragst du dich vielleicht. „Warum sollte ich in ein Tagebuch schreiben, wenn ich weder Teenager, noch unglücklich verliebt oder Bridget Jones bin?“ Das ist eine ziemlich gute Frage. Die Antworten hängen ein bisschen davon ab, wie du Tagebuch schreibst (dazu später mehr). Aber gute Gründe, um damit anzufangen, gibt es reichlich. Ich habe dir hier meine persönliche Favoritenlisten zusammengestellt:

  • Du schaffst einen Ort, an dem du Erinnerungen aufbewahrst.
  • Du hältst auch solche Erinnerungen fest, die du sonst garantiert vergessen hättest. Zeitreisen in die Vergangenheit? Kein Problem mehr für dich.
  • Du kannst Schwarz auf Weiß nachlesen, wie du dich als Persönlichkeit entwickelt und verändert hast.
  • Das macht dich selbstbewusster.
  • Du kannst deine Gedanken leichter sortieren.
  • Du hast eine Möglichkeit, dir Dinge von der Seele zu schreiben und zur Ruhe zu kommen.
  • Du kannst Achtsamkeit üben.
  • Du wirst ein besserer Beobachter.
  • Du trainierst deine Kreativität. Und wenn du willst auch deine künstlerische Seite.
  • Du kannst Pläne und Ziele konsequent verfolgen.
  • Du verbesserst deine Schreibfähigkeiten und wirst dich leichter ausdrücken können.
  • Du baust Stress ab.
  • Du kannst Dankbarkeit einüben. Und wirst dabei glücklicher.
  • Du lernst dich selber besser kennen.
  • Du siehst auf einmal, an welchen Stellen du dir selbst regelmäßig im Weg herumstehst.
  • Du entdeckst Lösungen für Probleme.
  • Du kümmerst dich um dein Innenleben und betreibst Selbstfürsorge.
  • Du entdeckst deine (Schreib-)Stimme.
  • Du findest heraus, was du eigentlich willst.
Stapel mit verschiedenen Notizbuechern

Klingt gut, oder?
Dein Tagebuch kann so ziemlich alles sein: Seelsorger, Erinnerungssammelstelle, Coach, Spielplatz oder Kreativitätsbooster. Die Vorteile, die dir das Schreiben bringen, hängen von der Art und Weise (und der Regelmäßigkeit) ab, mit der du dein Tagebuch nutzt.
Das wiederum führt uns quasi Nahtlos zur nächsten Frage:

Was soll ich in mein Tagebuch schreiben? Und wie?

Du erinnerst dich: Mein zehnjähriges Ich war der Ansicht, man schreibt nur zeitgeschichtliche Eckpunkte oder wenigstens Ereignisse von historischer Bedeutung auf. Hätte ich das konsequent umgesetzt, wären heute vermutlich maximal 12 Seiten in meinem allerersten Tagebuch beschrieben. Und ich kann dir versichern: Es sind mehr geworden. Nicht nur mehr Seiten, auch mehrere Bücher. Irgendwann habe ich den Überblick verloren.

Die Tagebücher meiner Jugendzeit waren so, wie man sich das vorstellt (abgesehen von der Einleitung mit „Liebes Tagebuch“ – das fand ich schon immer albern). Ich habe aufgeschrieben, was mich gerade beschäftigte: Erlebnisse, Gedanken, Sorgen, Gebete, Gefühlschaos. Das Schreiben war eine Möglichkeit für mich, mit den Veränderungen umzugehen, die das Erwachsenwerden so mit sich bringt und herauszufinden, wer ich eigentlich bin und wer ich sein will.

Schreiben, um sich selbst auf die Spur zu kommen

Heute weiß ich meistens, wer ich bin, trotzdem schreibe ich immer mal wieder alles auf, was mir gerade durch den Kopf geht. Das ist eine gute Methode, um die Gedanken zu sortieren. Eine ausführlich Anleitung, wie du dabei vorgehen kannst, habe ich hier schon mal aufgeschrieben.

Das ist übrigens die erste Antwort auf die Frage „Was soll ich in mein Tagebuch schreiben?“: Nutze es als Ort, um alle deine Gedanken abzuladen, zu sortieren und auszumisten.

Erinnerungen festhalten

Das ist nicht so dein Ding? Du willst lieber Momente und Erinnerungen sammeln? Dann mach genau das! Ich nutze diesen Ansatz oft, wenn ich unterwegs bin und schreibe Reisetagebücher. Auch dafür habe ich vor einiger Zeit eine Anleitung geschrieben. Die kannst du ganz einfach auf deinen Alltag übertragen.

Werde Alltagstourist in deinem eigenen Leben, halte Augenblicke und besondere Erlebnisse fest. Die musst du gar nicht in epischer Breite oder gar vollständig aufschreiben. Sieh das eher als ein Sammeln von Schlaglichtern. Hier kannst du übrigens auch prima kleine Erinnerungsstückchen (am besten in Papierform) einkleben.

Dein Alltagsreisetagebuch brauchst du nicht jeden Tag akribisch zu führen. Such dir einen Rhythmus, der passt. Vielleicht machst du einen Wochenrückblick am Wochenende oder du hältst immer nur solche Tage fest, die dir in Erinnerungen bleiben sollen.

Farben, Kunst und Worte

Du bist eher der künstlerische Typ, liebst Farben und probierst gern Kreativtechniken aus? Du sehnst dich nach einer Möglichkeit, regelmäßig etwas Kreatives zu schaffen, ohne immer gleich einen riesigen Aufwand zu betreiben?

Seite aus einem Art Journal mit Collage und Wörtern.

Schon mal über ein Art Journal nachgedacht?
Ich mag diesen Ansatz sehr. Das Schöne: Hier ist tatsächlich der Weg das Ziel. Es geht gar nicht darum, etwas Spezielles zu gestalten, sondern du machst, worauf du gerade Lust hast. Eine Collage, Spielereien mit Farben, kreative Experimente. Stempeln, kleben, malen, klecksen, lettern – alles geht.
Es ist eine kreativ-künstlerische Form des Tagebuchschreibens. Es gibt dafür keine festen Regeln, aber ich werde dafür noch einen Einsteiger-Beitrag schreiben. Versprochen.

Pläne, Ziele, Ergebnisse

Alles schön und gut, aber du bist eher der Typ, der immer einen Plan hat und Sentimentalitäten sind nichts für dich? Du kannst trotzdem Tagebuch schreiben.

Denk schriftlich über deine Ziele und Pläne nach. So behältst du sie immer im Blick.
Mal dir möglichst detailliert aus, wie es sein wird, wenn du dein Ziel erreicht hast. Steck dir Etappenziele, leg einzelne Schritte fest. Mach dir Listen, so kannst du ganz konkrete Aufgaben in deinen Terminplan integrieren.

Sammle Idee und Geistesblitze, so hast du immer einen reichen Vorrat an Lösungen, Inhalten, oder Dingen, die du ausprobieren kannst.

Probleme oder Schwierigkeiten tauchen auf? Denke schriftlich darüber nach. Mit etwas Abstand und beim späteren Lesen zeigt sich oft, dass die Lösungsansätze schon da sind, man sie nur noch nicht sieht.

Bei diesem Ansatz wird dein Tagebuch zur Denkfabrik für dein Projekt, deine Arbeit, deinen Haushalt – wofür auch immer du dir Ziele setzen möchtest.

Mix and Match

Du findest alle Möglichkeiten reizvoll und willst dich nicht auf einen einzigen Ansatz beschränken? Musst du auch nicht! „Mix and Match“ lautet die Devise.

Dein Tagebuch – deine Regeln. Probier aus, was dir am meisten Spaß macht und dir am besten hilft. Du kannst die „Methoden“ abwechseln und in einem Tagebuch ganz unterschiedliche Arten von Seiten haben. Das Leben ist schließlich auch alles andere als streng geordnet.

Wenn dir das zu chaotisch wird, dann schaff dir zwei Tagebücher an, die du parallel führst. Keine Angst, du musst nicht jeden Tag in beide schreiben! Vielleicht nutzt du ein Tagebuch für Arbeit und Projete, als große Planungshilfe, und das andere wird der Ort, an dem du deine Gedanken sortierst.
Oder du kombinierst dein Alltagsreisetagebuch mit einem Art Journal. Das habe ich z.B. bei meiner persönlichen Februar-Challenge gemacht und sehr, sehr unterschiedliche Seiten geschrieben und gestaltet.

Wie fange ich am besten an?

Du willst anfangen? Jetzt sofort? Super!
Ich habe dir eine kleine Starthilfe vorbereitet: Ein Quiz, mit dem du herausfindest, welcher Tagebuchtyp du eigentlich bist.



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